Vor einigen Wochen hatte ich erstmals die Gelegenheit, nach Moskau zu reisen. Ich hatte mir zuvor nie Gedanken gemacht, wie ich mir eine "Weltmacht" vorzustellen hätte. Doch als ich die riesigen Plätze, breiten Straßen sowie die prächtigen Gebäude in der russischen Hauptstadt sah, da dachte ich: Das hier ist das Zentrum einer Weltmacht!
Ähnlichen Gedanken hatten wohl auch die Jünger von Jesus, als sie vor knapp 2000 Jahren den prächtigen Tempel Jerusalems bestaunten. Als Jesus ihnen sagte, dass kein Stein auf dem anderen bleiben sollte, hielten sie das gar für das Ende der Welt:
Und Jesus ging aus dem Tempel fort und seine Jünger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebäude des Tempels. Er aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde. Und als er auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger zu ihm und sprachen, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt? (Matthäus 24,1-3)
Doch ihre Einschätzung, dass der Untergang des Tempels das Ende der Welt sei, war falsch! Der Tempel steht schon lange nicht mehr, doch Jesu Worte gelten noch immer.
Daran musste ich während meines Aufenthalts in Russland wiederholt denken! Die Sowjetmacht wollte den Glauben an den lebendigen Gott am liebsten ausrotten. Lenin, der von sich selbst sagte, dass er der persönliche Feind Gottes sei, wird noch immer einbalsamiert und militärisch bewacht präsentiert. Auch das Grab Stalins - unter dessen Verantwortung auch zahllose Christen den Tod in den Weiten Sibieriens fanden - hat nach wie vor einen Ehrenplatz. Ich war jedoch sehr erfreut, dass in meinem Hotelzimmer ein Neues Testament (zweisprachig Russisch/Englisch) auslag. Die "Gideons" wirken auch in Moskau! Wenn das die Erbauer des Hotels wüssten, das in einem sozialistisch gebauten Hotel jetzt Bibeln in jedem Zimmer vorhanden sind! Und auch im größten Buchladen Moskaus konnte ich ein ganzes Regal voller Bibeln bestaunen. Noch mehr erfreut war ich, das auch andere Kunden Bibeln kauften. Beides war vor reichlich 20 Jahren noch völlig undenkbar!
Jesus hat eben Recht: "Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen." (Matthäus 24,35)
Theo Lehmann hat dies bereits zu Zeiten des real existierenden Sozialismus ähnlich formuliert:
Die Mächtigen kommen und gehen und auch jedes Denkmal mal fällt.
Bleiben wird nur, wer auf Gottes Wort steht, dem sichersten Standpunkt der Welt.
Das sollte nie vergessen werden. Auch Kreml, Roter Platz und Leninmausoleum werden vergehen, doch Gottes Wort bleibt! Wie dankbar dürfen wir sein, Gottes Wort in Freiheit und ohne Einschränkungen erwerben und lesen zu können! Auch das wurde mir neu bewusst: während in Deutschland seit etwa 500 Jahren Gottes Wort in der Muttersprache vorhanden ist, ist dies in Russland erst seit circa 150 Jahren der Fall!
Und noch immer gibt es tausende Sprachen, in denen die Bibel nicht oder nur teilweise vorhanden ist.
Da ich mit dem Zug reiste, hatte ich Gelegenheit, auch Weißrussland ein wenig kennenzulernen. Ich freute mich, als ich auf dem weißrussischen Bahnhof Brest in einem orthodoxen Ikonen-Laden eine Bibel sah. Es war eine russische Bibel und die Menschen in Weißrussland sprechen und verstehen praktisch alle auch russisch. Die Unterschiede der Sprachen sind etwas stärker als die geschriebene Sprache der Deutsch-Schweiz und Deutschlands. Doch während es schweizerische Bibeln gibt war ich erstaunt, dass eine weißrussische Bibel nicht existiert. Immerhin ist Weißrussisch eine der Amtsprachen in unserem übernächsten Nachbarland und hat fast 8 Millionen Sprecher!
Deshalb sollte der Schatz von Gottes Wort dankbar und so oft wie möglich verwendet werden! Denn da kann bereits ein Stück Unvergänglichkeit erfahren werden! Jesus Christus und Gottes Wort werden im 1. Kapitel des Johannesevangeliums nicht unterschieden, sondern synonym verwendet:
"Gott war das Wort" heißt es im 1. Vers!
Lesen und leben wir dankbar und ehrfurchtsvoll mit der Bibel?!
Небо и земля прейдут, но слова Мои не прейдут. (Матфея 24,35)